Seit über 50 Jahren hat man nicht herausfinden können, wo und wie die Suppenschildkröte die ersten Jahre ihrer Jugend verbringt. Jetzt ist ein Forscherteam aus Florida der Lösung dieses Rätsels einen großen Schritt nähergekommen.
Die unter Artenschutz stehende Suppenschildkröte oder auch Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) schlüpft als nicht einmal handtellergroßer Winzlinge an tropischen und sub-tropischen Stränden der ganzen Welt aus unter Sand verborgenen Gelegen. Von dort robben die Jungtiere ins Wasser und sind dann für mehrere Jahre vom Ozean verschluckt, bevor sie, nun mit tellergroßen Panzern bestückt, wieder in küstennahen Gewässern über den flacheren Schelfgebieten (Festlandssockel der Kontinente) auftauchen.
Kimberley Reich, Alan Bolton und Karen Bjorndal von der Florida Universität in Gainesville, Vereinigte Staaten, haben Hinweise darauf gefunden, dass sich die Jungtiere im offenen Ozean aufhalten und sich dort karnivor (fleischfressend) ernähren. In späteren Jahren, wenn sie sich an den Küsten aufhalten, weiden sie Seegras ab, leben also als Pflanzenfresser herbivor.
Diese Ernährungsumstellung lässt sich in den Geweben von Organismen ablesen. Im Panzer der Schildkröte wird die Ernährungsgeschichte aufgezeichnet und konserviert, anders als in anderen Geweben, die weiter dem aktuellen Stoffwechselgeschehen unterliegen.
Methode der Wahl für die ForscherInnen war deshalb die stabile Isotopenuntersuchung von Schildkrötenpanzern. Mit dieser Methode kann man karnivore von herbivorer Ernährung unterscheiden, ohne dass man das Fressverhalten direkt beobachten muss.
Die SchildkrötenforscherInnen schnitten kleine Stücke aus den Panzern der Meeresschildkröten aus, was für die Tiere ist wie für uns das Fingernagelschneiden. Sie verglichen die Isotopen-Signaturen älterer mit jüngeren Panzerschichten. Neuankömmlinge an den Küsten unterschieden sich deutlich von den Alteingesessenen. Die Stickstoffsignaturen der Neuankömmlinge glichen denen einer karnivor auf dem offenen Ozean lebenden Schildkröte, der unechten Karettschildkröte (Caretta caretta). Sie frisst Quallen, Tintenfische, Krebse und Seeigel.
Die Originalstudie ist am Mittwoch, den 19.9.2007 in der Online-Ausgabe des Fachmagazins Biology Letters erschienen. Zugang zum Gesamtext haben nur Abonnenten. Aufgrund der neuen Erkenntnisse über die bisher unbekannte Lebensweise der jugendlichen Suppenschildkröten wird das Wissenschaftlerteam versuchen, noch mehr über die Jugendzeit der Tiere zu erfahren.
Suppenschildkröten werden in Teilen der Welt noch immer gejagt. Jede zusätzliche Detail-Information über den Lebenszyklus von bedrohten Arten unterstützt die Bemühungen um ihren Schutz.