Susanna Knotz (am 11.5.2007 erstmals veröffentlicht auf www.infobildungsdienst.de)
Die 3. McPlanet.com-Konferenz brachte Engagierte aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen. Globalisierungskritiker von attac organisierten zusammen mit Evangelischem Entwicklungsdienst, den Umweltschützern von BUND und Greenpeace, der Grünen-nahen Heinrich Böll Stiftung und in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie die dreitägige Konferenz mit kulturellem Beiprogramm in den Räumlichkeiten der TU-Berlin.
Etwa 250 ReferentenInnen aus der ganzen Welt informierten 3 Tage lang die 2000 TeilnehmerInnen aus ganz Deutschland über die globalen Auswirkungen, vor allem über die daraus resultierenden sozialen Ungerechtigkeiten des Klimawandels. Explizit riefen sie ihre Zuhörer dazu auf, die eigene Regierung dazu zu bewegen, den vielen schönen Worten der letzten Zeit Taten folgen zu lassen. Deutschland und Europa sollten mit gutem Beispiel vorangehen, da sich aufstrebende Nationen so gut wie immer an den Industrienationen orientierten und ihren Lebenswandel imitierten.
Meena Raman, Präsidentin der internationalen Umweltschutzorganisation Friends of the Earth, zu der auch der deutsche BUND gehört, Juristin und Menschenrechtsaktivistin aus Malaysia, fordert uns in den Industrienationen auf, unseren Lebensstil zu ändern. Es reiche nicht aus, neue Technologien zu entwickeln, damit Energie effizienter produziert und genutzt werden kann. Die WHO hat errechnet, dass seit 1970 rund 150.000 Menschen pro Jahr wegen des Klimawandels sterben. Andrew Simms von der „new economics foundation“ veranschaulichte sehr plakativ, dass man rund ein Dutzend Planeten bräuchte, um allen Bewohnern der Erde den Lebensstiel zu ermöglichen, den man in den Industrienationen pflegt. Prof. Carlo Jaeger vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und andere Referenten forderten, neue Technologien in weniger entwickelte Länder zu exportieren. Molly O’Meara Sheehan vom Worldwatch Institute in Washington DC und Spezialistin für Stadtentwicklung, stellte positive Beispiele aus den Metropolen Südamerikas, Afrikas und Asiens vor, wies aber trotz allem auf die gravierenden Probleme vor allem in Afrika und Südasien hin. Dort lebt derzeit rund ein Drittel der Bevölkerung in Slums. Die meisten Metropolen sind außerdem Küstenstädte, die langfristig von dem Meeresspiegelanstieg, der durch den Klimawandel verursacht wird, bedroht sind. Molly O’Meara Sheehan ist Mitautorin des gerade auch auf Deutsch erschienen „Berichts zur Lage der Welt 2007„.
Prof. Klaus Töpfer, früherer Umweltminister und Ex-UNEP-Exekutiv-Direktor in Nairobi, wies explizit darauf hin, dass man pragmatisch im Umgang mit fossilen Techniken umgehen müsse. Aufstrebende Länder wie China hätten Zugang zu viel billiger Kohle. Es wäre weltfremd anzunehmen, China würde auf diese fossilen Energieträger verzichten. Langfristig müsse zwar das Ziel sein, tatsächlich von CO2-intensiven Energieformen wegzukommen, aber für eine Übergangszeit müsse man auch in Technologien investieren, die wirtschaftlichere, d. h. effizientere Nutzung fossiler Brennstoffe ermögliche. Andere Referenten, wie z.B. der Kampagnen-Geschäftsführer von Greenpeace-Deutschland, Roland Hipp, hingegegen plädierten dafür, diese Übergangslösungen nicht überzubewerten und nicht dem Irrglauben zu verfallen, dass neue Technologien endgültige Lösungen sein könnten.
Die Idustrie muss Anreize von der Politik aber auch vom Konsumenten erhalten, ihre Gewinne umweltfreundlich zu maximieren, das forderte sinngemäß Arne Morgren, ein Vertreter des Energiekonzerns Vattenfall. Vattenfall baut gerade in Hamburg mit Unterstützung des Senats ein neues Steinkohlekraftwerk. Vattenfall und andere große Energiekonzerne wie BP, REW oder ENBW werben ausführlich mit ihrem Engagement für alternative Energien. Dieses Engagement bewegt sich allerdings in der Regel in einem einstelligen Prozentbereich des Gesamtenergiegeschäfts. Aber Verbraucher und Industrie sind sich darin einig, dass die Politik die Vorgaben verändern muss. Rebecca Harms, stellvertretende Fraktionschefin der deutschen Grünen im EU-Parlament, bestätigte die Vorreiterrolle, die Europa spielen müsse. Bisher bekämen die EU-PolitikerInnen für ihre Aussagen zum Schutz vor Klimawandel die Schulnote eins, jedoch für die tatsächlichen Aktivitäten eine 5, mangelhaft. Auf unterschiedlichen Foren wurde z.B. angeprangert, dass der Emissionshandel nicht funktionieren könne, wenn die Bundesregierung Emissionshandelszertifikate im Wert von Milliarden von Euro an die Industrie verschenkt, statt sie zu versteigern. In anderen europäischen Ländern werde ähnlich verfahren.
PolitikerInnen müssten mutiger werden und dürften sich nicht mehr von Lobbyisten kontrollieren lassen. Lobbyisten dürften nicht mehr an Gesetzen mitschreiben, die ihren eigenen Geschäftsbereich berührten. Es müsse offengelegt werden, wer Lobby für wen betreibe. Paul de Klerk von Friends of the Earth und Heidi Klein von Lobbycontrol stellten einige Negativ-Beispiele aus der Öl- und Energiewirtschaft dar. Politiker müssten mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, um die Keile, die die Umwelt-Diskussionen schon mitten in die Konzerne hineingetrieben hätten, weiter einzuschlagen. Aber auch mit der Industrie müsse man sich an einen Tisch setzen, um neue Strategien zusammen zu entwickeln, dazu riefen Klaus Milke von Germanwatch und Jörg Haas von der Heinrich-Böll-Stiftung auf. Karl Smid, Mitorganisator von Greenpeace, warnte hingegen vor zu engem Kontakt mit der Industrie und davor sich womöglich von leeren Versprechungen einlullen zu lassen.
Nach der Konferenz wies Daniel Unsöld vom BUND, einer der Hauptorganisatoren, einem friedlichen Demonstrationszug mit mehreren hundert Teilnehmern von der TU aus die Straße des 17. Juni hinunter and der Siegessäule vorbei zum Bundeskanzleramt den Weg, um dort eine 20 m lange Leinwand mit Unterschriften von BürgernInnen zu übergeben. Die Unterzeichner fordern die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und ihr Kabinett dazu auf, ihre hehren Worte zum Schutz des Klimas wirklich in die Tat umzusetzen und auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm nicht nur heiße Luft zu produzieren.
Am ersten Konferenztag wurden andernorts die Handlungsempfehlungen des IPCC (International Panel on Climate Change) veröffentlicht. In dem Report geben die beteiligten Wissenschaftler Hoffnung: Das Schlimmste kann noch verhindert werden. Aber es gibt Bedingungen dafür: im Jahre 2015 muss das Maximum des Energieverbrauchs erreicht sein, danach kann der Zeiger nur nach unten zeigen. Bis zur Mitte unseres Jahrhunderts muss der Energieverbrauch um 80% gesenkt werden. Und man muss Geld investieren, um in Zukunft nicht wegen des Klimawandels zu viel Geld zu verlieren, eine Aussage, die Regierungen, Gesellschaften und auch Wirtschaft und Industrie eigentlich alle verstehen müssten.
McPlanet: Videoaufzeichnungen der Panels und Foren bei der Berliner Greenpeace-Gruppe in Originallänge, Videobericht auf www.green.tv/de
November 7, 2007 um 5:57 |
[...] Auf green.tv/de zeigen wir mit dem Film McPlanet-Motivation eine Zusammenfassung, in der Meena Raman (Friends of the Earth International), Ailun Yang (Greenpeace China), Hermann Ott (Wuppertal Institut), Klaus Töpfer (Ex-Generalsekretär UNEP, Ex-Bundesumeltminister) Angelika Zahrnt, Daniel Unsöld (beide Friends of the Earth Deutschland/BUND) und Roland Hipp (Greenpeace Deutschland) zu Wort kommen. Einen Bericht über die McPlanet-Konferenz auf dem green.tv/de-Blog gibt es hier. [...]