Gegen Hunger und Armut

By Susanna Knotz

Zum Welternährungstag am 16. Oktober 2007 stellen die Deutsche Welthungerhilfe, das Washingtoner Forschungsinstitut für Ernährungspolitik (IFPRI) und Concern Worldwide den Welthunger-Index-Bericht 2007 vor.

Im Jahr 2000 hatten sich in New York 189 Staaten zu den acht Milleniumsziele verpflichtet. Dafür sind sie klar definierte Verpflichtungen eingegangen, z.B. den Anteil hungernder Menschen von 1990 bis 2015 zu halbieren. Als hungernd gelten Menschen, die ihren Kalorienbedarf nicht decken können und Kinder unter fünf Jahren, die untergewichtig sind. Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren hat nicht nur mit der Gesundheitssituation in einem Land zu tun, sondern auch mit der Ernährungssituation. Die Kindersterblichkeit soll bis 2015 um zwei Drittel gesenkt werden.

Mithilfe dieser drei Indikatoren wird der Welthungerindex berechnet. Alle drei Faktoren stehen gleichberechtigt nebeneinander, werden also nicht gewichtet. Der Index bewegt sich zwischen Null und 100. Je höher das errechnete Ergebnis, desto schlimmer steht es um das Land. In Nordamerika, den meisten europäischen Staaten, Japan und Australien wird der Index nicht berechnet, da man dort eher mit Fehlernährung als mit Unterernährung zu kämpfen hat.

Situation und Tendenzen
Heute leiden 854 Millionen Menschen Hunger, davon 206 Millionen in Afrika, wo auch die meisten Kleinkinder sterben. In Südasien ist bei niedrigerer Sterblichkeit der Anteil der unterernährten Kleinkindern am größten. Vierzig Prozent der untergewichtigen Kinder leben alleine in Indien. Am besten unter den 91 Entwicklungsländern und 21 sogenannten Transformationsstaaten stehen einige nordafrikanische, europäische und lateinamerikanische Staaten da. Lybien, Argentinien und Litauen bilden das positive Ende der Liste, während Burundi, die demokratische Republik Kongo und Eritrea die Schlusslichter sind.

Ihre gesteckten Ziele erreichen werden wohl nur wenige Länder wie Kuba und Kuweit. Ein Drittel ist aber auf gutem Wege, darunter sogar ein paar Sub-Sahara-Staaten wie Mosambik, die Republik Kongo (ganz im Gegensatz zu der Demokratischen Republik Kongo), Ghana und Malawi. Immerhin ist die Entwicklung der Hungersituation in drei Viertel der Entwicklungsländer grundsätzlich positiv. Nord-Korea ist in Ostasien das Negativbeipiel für die Ernährungssituation, wie rund ein Viertel anderer Staaten, in denen sich die Bedingungen seit 1990 verschlechtert haben oder nicht wesentlich gebessert haben.

Über die Hälfte der berücksichtigten Staaten hat einen Welthunger-Index, der über einem Wert von 10 liegt, was als bedenklich gilt. Insgesamt betrachtet ist es um viele Staaten in Afrika südlich der Sahara am schlimmsten bestellt. Äthiopien, obwohl auf Rang 114 von 118, hat sich gegenüber dem Vorjahr um 3 Indexpunkte verbessert. Die Überlebenschancen für Kinder sind gestiegen; seit den 90ern ist vermehrt in Gesundheit und Bildung investiert worden. Die taz berichtete am Wochenende sehr anschaulich von einem Dorf in Äthiopien auf dem Weg in eine bessere Zukunft. Auf den Seiten der Welthungerhilfe werden auch ein paar erfolgreiche Projekte in Wort und Bild vorgestellt.

Ursachen für Armut und Hunger
Eine der Hauptursachen für den Hunger in der Welt sind Kriege und andere bewaffnete Konflikte, die die Lebensgrundlage für Millionen zerstören. Die Viruserkrankung AIDS ist eine weitere Ursache für Armut und Hunger, da die Seuche Bevölkerungsstrukturen zerreißt und Waisen produziert, die oft nicht richtig versorgt werden. Ein anderer Grund ist die schlechte soziale Stellung der Frau besonders in Ländern Südasiens. Frauen kommen in betroffenen Ländern oft nicht in den Genuss von Bildung, erhalten weniger Essen und können deshalb in Schwangerschaft und Stillzeit nicht genug Energie an ihre Kinder weitergeben. Natürlich sind auch Korruption und mangelhafte rechststaatliche Prinzipien ein Grundübel, das Armut fördert. Außerdem haben Naturkatastrophen negative Auswirkungen. Der menschengemachte Klimawandel verschärft die Situation durch Zunahme von Dürren und Hochwasser.

Aktionen und Initiativen
Die Milleniumkampagne der Vereinten Nationen (auf Deutsch) und die Initiative Deine Stimme gegen Armut rufen zum Mitmachen beim weltweiten Aktionstag Stand up & Speak out (Steh’ auf & gib’ Laut) am 17. Oktober auf. In München lockt zusätzlich die kostenlose Konzertveranstaltung White Band Night mit The Busters, ZOE und my new zoo Musikfans gegen die Armut hinter dem Ofen hervor. Selbst Fußballfans haben keine Ausrede, da das Spiel Deutschland gegen Tschechien auf Leinwand übertragen wird. (Kommentar: Wir leben schließlich nicht in einem Entwicklungsland, hier wird alles geboten.)

Außerdem kann jeder mit Kamera zum Millenium-Spot beitragen: ein Fingerschnalzen aufnehmen und auf die Seite hochladen. Ein paar sehr bekannte Gesichter machen es vor. Die Schnalzer, alle drei Sekunden aneinandergehängt, stehen für ein Kind, das auf der Welt an Armut stirbt, alle drei Sekunden eines.

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