Aktion: Virtuelle Rute gegen zu schlappe EU-CO2-Ausstoß-Grenzen für Neufahrzeuge

Eine leicht polemische Abhandlung über die zukünftigen Entwicklungen des europäischen Automarktes mit Aufruf zur Aktion.

Am 19. Dezember will die EU eine neue Verordnung erlassen, die die Automobilindustrie dazu verpflichtet, in einigen Jahren nur noch Neuwagen mit begrenztem, absolutem CO2-Ausstoß pro gefahrenem Kilometer herzustellen. Dem eigenen Versprechen, den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2008 auf 140 Gramm pro Kilometer zu begrenzen, hat gerade die deutsche Automobilindustrie zuwider gehandelt (Hintergrundinfo zur Campact.de-Aktion). Deutsche RegierungsvertreterInnen fordern für die neue Kraftfahrzeugsteuer einen Grenzwert, der die Effizienz der Motoren mit berücksichtigt. D. h. der CO2-Ausstoß soll auf das Gewicht eines Fahrzeugs bezogen werden. Auch EU-Kommissar Verheugen unterstützt die innovationsfeindliche Lobbyarbeit der deutschen Automobilindustrie. Hörte man in der Politik auf die lobby-gesteuerten Vorschläge für CO2-Ausstoß-Grenzwerte, wären die Hersteller schwerer, deutscher Limousinen im Vorteil. Ihre Motoren zählen zu den effizientesten auf dem Markt.

Effizienz zu fördern klingt doch vernünftig, sollte man meinen. Nur ändert das überhaupt nichts am Gesamtausstoß von CO2, der wegen des hohen Gewichts der Fahrzeuge weit über dem Notwendigen liegt. Wenn man einmal darüber nachdenkt, scheint es ziemlich verrückt, dass man überhaupt mehr als eine Tonne Stahl und andere Materialien benötigen soll, um so ein Menschlein oder auch vier bis fünf durch die Gegend zu kutschieren.

Fazit: Mit ihrem hohen Gewicht belasten diese Fahrzeuge die Umwelt über die Maßen und natürlich auch die Geldbeutel der gutgläubigen Nutzer dieser Fahrzeuge. Greenpeace hat mit dem Smile-Prinzip schon vor mehr als 10 Jahren ein Konzept vorgestellt, wie man den Spritverbrauch von ganz normalen Serien-Fahrzeugen um 50 Prozent drücken kann. Es blieb nicht nur beim Konzept. Der Smile fährt noch nach über 10 Jahren, mit mehr als 70000 km auf dem Buckel und 170 km/h Spitze auf den Straßen herum und braucht tatsächlich halb so viel Sprit wie seine damalige Vorlage, der Renault Twingo. Damals kam auch der Lupo auf den Markt, der vom eigenen Hersteller extrem schlecht vermarktet wurde und überteuert bald wieder verschwand.

Außerdem: Wer einmal in einem Kleinwagen mit 90 PS gefahren ist, weiß, dass solch ein Fahrzeug wesentlich spritziger und sportlicher daherkommt als eine schwere Limousine mit beeindruckend erscheinenden 200 PS es vermag. Das Mehr an Pferdestärken ist nur notwendig, weil mehr träge Masse bewegt werden muss. In Teilen Baden-Württembergs, wo viele der schwerfälligen Karossen hergestellt werden, kennt man den Spruch “lieber klein und zackig als groß, dumm und dappig”. Deutsche Autobauer scheinen ihn nicht zu mögen. Deshalb haben einige von ihnen vor wenigen Tagen den Worst EU Lobbying Award 2007 verliehen bekommen. Ein Filmchen im Michael Moore Stil zeigt, wie die verschiedenen Preisträger auf die Glückwünsche reagieren.

Wie man in Kalifornien Sportautos mit viel Kreativität und ein bisschen Nachdenken mit alternativem Antrieb entwickelt, stellte Kerstin Kohlenberg im Zeit-Dossier Der Herausforderer im März 2007 vor. Wem es nicht unbedingt auf Sportlichkeit ankommt, sondern auf altmodischen Protz, lässt sich von weniger Gewicht natürlich nicht überzeugen. Aber viele Menschen, wahrscheinlich sogar die meisten, benötigen einfach nur ein wendiges, flexibel einsetzbares Transportmittel für sich und ihre Einkäufe, für Urlaubsfahrten und Ausflüge. Sie würden von halbierten Spritpreisen für ihre Fahrten sehr profitieren und dafür sicherlich gerne auf unnötiges Gewicht verzichten. Die meisten BürgerInnen dürften heute aufgeklärt genug sein, nicht mehr auf die Vermarktung des Autos als Statussymbol und “des Deutschen liebstes Kind” hereinzufallen. Wer will sich schon von der Automobil-Lobby für dumm verkaufen lassen!

Zur Ruten-Aktion von Campact.de geht es durch Klick aufs Banner.


www.campact.de

Drohen Sie EU-Kommissar Verheugen mit der Rute! Unterzeichnen Sie den Appell für Klimaschutz im Straßenverkehr!

Übrigens: Wer beruflich auf ein Auto verzichten kann oder in einer Gegend wohnt, wo es ein sinnvolles Angebot für Öffentlichen Nahverkehr gibt, aber ab und zu doch ein Fahrzeug braucht, der muss nicht gleich ein Auto kaufen: Carsharing ist eine gute Alternative. Heutzutage gibt es schon in mittelgroßen und sogar in einigen Kleinstädten Angebote, sich mit anderen Anwohnern ein Auto zu teilen. Die Fahrzeuge sind in der Regel neuwertig, werden regelmäßig gewartet, sind versichert und man hat mit all dem nichts zu tun, man nutzt sie einfach nur gegen eine gut bezahlbare Nutzungsgebühr.

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