Klimawandelwissen – Fehler zugeben können

Gerade bin ich auf eine Meldung des Tagesanzeigers (Schweiz) gestoßen. Die haben Parlamentsabgeordnete nach ihrem Klimawandelwissen gefragt – amüsant bis bedenklich das Resultat – und das in Filmform festgehalten (Beitrag mit Film). Leider nur für Leute verständlich, die Schweizerdeutsch einigermaßen gut verstehen können. Die gleichen ParlamentarierInnen sollten über eine Klimwandel-Initiative (Reduktionsziele) abstimmen, sollten also eigentlich fachlich einigermaßen vorbereitet gewesen sein.

Wobei ich auch nicht weiß, was ich womöglich für einen Mist rauslassen würde, so spontan vor der Kamera befragt. Ich erinnere mich, dass ich bei meiner Doktorprüfung,  zu einem Phänomen befragt wurde, das mit Eisendüngungsexperimenten in Zusammenhang steht – und in der Antarktis auftritt.  Ich hatte in der Antwort die ganze Zeit von der Arktis gesprochen, ohne es zu merken. Darauf hat mich der fragestellende Prüfer nach meiner Antwort hingewiesen. Ich weiß nicht, ob er meine Bestätigung ernst genommen hat, dass ich natürlich die Antarktis gemeint hätte, auch wenn ich von der Arktis gesprochen habe. Klingt ja schon nach ganz blöder Ausrede.

Deshalb aus eigener Erfahrung mein Plädoyer, was ich schon im letzten Blogeintrag schrieb, Fehler zu verzeihen, wenn sie zugegeben werden, auch von Politikern. Keiner ist allwissend, Stress kann zu Fehlern führen. Jedem muss zugestanden werden, sich auf der Basis verlässlicher Angaben (Betonung auf verlässlich, dazu zählen nicht erfunden Zahlen und gefälschte Grafiken, wie sie so genannte Klimaskeptiker ab und zu verbreiten) informieren zu dürfen und seine Einschätzung, seine Fehler korrigieren zu dürfen.

Es ist in meinen Augen geradezu dumm, Leute dazu aufzufordern, zurückzutreten, wenn sie Fehler zugegeben haben. Es ist, finde ich, geradezu lächerlich und kindisch, wenn jemand Fehler nicht zugeben kann. Eines Erwachsenen unwürdig und doch immer noch sehr verbreitet, besonders, so scheint mir, unter dem so genannten Starken Geschlecht.

Man spricht bei einem Rücktritt wegen eines Fehlers gemeinhin davon, derjenige solle die Verantwortung übernehmen. Für mich bedeutet Verantwortung aber das Gegenteil: Ich bemerke einen Fehler oder werde auf einen aufmerksam gemacht. Daraufhin versuche ich, ihn zu beheben, das beste aus der Situation zu machen und ähnliche Fehler in der Zukunft zu vermeiden. Ist es ein schwerwiegender Fehler, muss ich natürlich öffentlich darauf hinweisen, damit möglicher Schaden abgewendet werden kann, damit andere nicht womöglich auf Grundlage meiner Fehler falsche Schlüsse ziehen, usw. .

Würde ich aber zurücktreten, bürde ich anderen das Ausbügeln meines Fehlers auf. Was ist daran bitte schön verantwortlich? Oder noch schlimmer, ich versuche zu verheimlichen, dass der Fehler überhaupt passiert ist, wenn es doch rauskommt, versuche ich, so lange wie möglich zu leugnen, dass ich irgendetwas damit zu tun hatte und suche irgendwelche Sündenböcke.

Solch ein Verhalten erfordert tatsächlich Rücktritt, da es zutiefst unverantwortlich ist. Auch wenn jemand nur Fehler produziert und ständig Falschaussagen oder Halbwahrheiten verbreitet, wäre das ein Rücktrittsgrund, da derjenige dann fachlich wohl nicht geeignet ist, nicht gewillt oder im Stande ist dazuzulernen, und/oder keine oder schlechte Berater hat und das nicht merkt (die müsste man allerdings dann schon auch rauswerfen, in dem Sinn keine Sündenböcke). Gut wäre es auch, es gäbe eine Möglichkeit, dass das Volk solche Volksvertreter – die eigentlich nur ihre eigenen Interessen vertreten oder die ihrer Parteien statt im Interesse des Staates zu handeln – entlassen könnte.

Thomas de Maizière, derzeitiger Bundesinnenminister, antwortete in einem taz-Interview vom 27.4.2010 auf die Frage, warum sich der Staat (hier war wohl eher die Regierung gemeint) so schwer tue, Fehler zuzugeben: “Niemand gibt gern Fehler zu. Allerdings wird eine Entschuldigung im privaten Bereich im Zweifel als honorig akzeptiert. Im öffentlichen Bereich gilt sie eher als Versagen und als Grund für einen Rücktritt. Die Hemmschwelle, einen Fehler zuzugeben, ist deshalb höher. Das ist schade, aber es ist leider so.”

U.a. wegen dieser tatsächlichen vorherrschenden Haltung der Medien-Öffentlichkeit leiden Politiker u.a. unter mangelndem Ansehen und fragen sich, weshalb die Leute eigentlich politikverdrossen sind. Ich weiß, da beißt sich die Katze ein wenig in den Schwanz, aber jemand müsste mal den Mut haben, ihr den Schwanz aus dem Maul zu nehmen. Authentizität wäre gefragt und Mut, sich durchzusetzen gegen finanzkräftige Lobbys und mächtige Medien (keiner, auch die politischen Gegner nicht, sollten bei diesem Spiel mitmachen). Mut zu innovativen Ideen (nicht immer warten, bis in den USA mal wieder jemand vorprescht) wäre auch mal schön.

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Eine Antwort zu „Klimawandelwissen – Fehler zugeben können“

  1. Greenlinks 02/05/2010 | Umwelt, Mountain, Something, Boingboing, Klimawandelwissen, Umweltkatastrophe | Neidgruen.de sagt:

    [...] greenfilm.wordpress.com: Klimawandelwissen – Fehler zugeben können [...]

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