Archive for the ‘Energie’ Category

Plastikmüll im Dünger: NDR Panorama3 21:15

Dezember 9, 2014

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Wir sind bei Dreharbeiten für NaturNah am Schaalsee auf eine Umweltsauerei gestoßen. Auf mehreren kilometergroßen relativ frisch gedüngten Grünflächen lagen fein geschredderte bunte Plastikschnipsel herum.

Bei genauerem Hinsehen waren auf einigen bunten Schnipseln Aufschriftenteile erkennbar. Hier waren offenbar Lebensmittelverpackungen geschreddert worden und auf dem Grünland gelandet.

Wir begleiteten Investigativ-Profi Jörg Hilbert von Panorama 3 bei der Suche nach Hinweisen. Biogasanlagendünger war die Quelle für die Plastikteilchen. Die Ergebnisse sind heute Abend auf NDR bei Panorama 3 zu sehen um 21:15 Uhr oder später in der Mediathek. Weitere Infos zum Beitrag stellt Jörg Hilbert auf den NDR-Seiten zur Verfügung.

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Millionen Seevögel in Gefahr durch Ölpest im britischen Überseeterritorium Tristan da Cunha im zentralen Südatlantik

März 25, 2011

Am 16. März lief der Frachter MS Oliva beladen mit rund 65.000 Tonnen Sojabohnen auf dem Weg von Brasilien nach Singapur vor der Insel Nightingale auf Grund. Er bunkerte etwa 1.500 Tonnen Schweröl. Die Besatzung wurde gerettet bevor in der Nacht zum 18. März das Schiff auseinander brach und das Öl aus dem Schiff zu lecken begann. Ein bis zu 16 km weit reichender Ölteppich breitet sich inzwischen um die Insel herum aus, melden die Behörden von Tristan da Cunha. Im dortigen Spätsommer ist die Brutsaison der nördlichen Felsenpinguine (Eudyptes moseleyi) noch in vollem Gange, die erwachsenen Pinguine gehen täglich auf Fischfang, um ihren schon großen Nachwuchs versorgen zu können. Bereits hunderte verölter Vögel wurden gezählt. Der Ölunfall bedroht ungefähr die Hälfte der Gesamtpopulation, die seit den 1950er-Jahren schon um 90% geschrumpft ist und deshalb von der IUCN als bedroht eingestuft wird. Außerdem ist auch die lokale Wirtschaft bedroht, die sich hauptsächlich auf die Fischerei nach Hummern und anderen Krustentieren stützt. Ratten von dem Wrack stellen eine weitere mögliche Bedrohung für brütende Vögel dar, inzwischen haben Helfer Köderfallen gegen Ratten ausgebracht. Die Insel Gough ist laut IUCN eine der wichtigsten Seevogel-Inseln der Welt.

Diese Nachricht geht gerade etwas unter unter der Erdbeben-Atom-Katastrophe in Japan, den Aufständen in arabischen Ländern und dem militärischen Einsatz in Libyen.

Quellen:

Behördenupdates von Tristan da Cunha

Naturschutz-Stellungnahme zur Bedrohung

Info über die bedrohten Felsenpinguine

Infos der IUCN über die Besonderheiten Tristan da Cunhas

Angeblicher Niedergang der deutschen Solarenergiebranche

April 4, 2008

Leserbrief zu einem irreführenden Artikel von Anselm Waldermann auf Spiegel-online über die angeblich schädigenden Auswirkungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) auf die deutsche Solarbranche.

IT-Branche mit riesigem Energiesparpotenzial

März 9, 2008

Das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) hat zusammen mit dem Umweltbundesamt (UBA) eine Broschüre über notwendigen Maßnahmen zur Effizienzsteigerung in der Informations- und Kommunikations-Technik (IKT) aufgelegt. Die Broschüre „Klimaschutz und Ressourceneffizienz – Herausforderungen und Marktchancen für die Informationswirtschaft und Telekommunikation“ ist über das UBA online zu beziehen.

In Deutschland enfallen acht Prozent des Gesamtstromverbrauchs auf Informationstechnologie (IT) und Unterhaltungselektronik. Ein riesiges Einsparpotenzial bietet die Kühlung von Serverräumen und Rechenzentren. Andere Zieltemperaturen für die Rechnerräume und Beheizung der Büroräume mit der Abwärme sind Beispiele dafür, wie der clevere Bremer Firmenchef Harald Rossol seinen Stromverbrauch massiv drosseln konnte und gleichzeitig noch Heizkosten einsparte. Der Deutschlandfunk stellte ihn und seine Ideen in einem Bericht von der Computerelektronikmesse CeBIT in Hannover vor. Dort zählt green IT zu den diesjährigen Trendthemen.

Weitere Möglichkeiten, wie die Branche zukunftsfähig und effizient wirtschaften kann, werden in der Broschüre vorgestellt. Dazu gehören z.B. auch die Nutzung von Ökostrom und die umweltfreundliche Materialbeschaffung. Die Branche könnte ihre Energienutzung drastisch drosseln. Alleine schon die optimierte Kühlung birgt ein Sparpotenzial von über 50 Prozent, was sich natürlich auch auf die Betriebskosten auswirkt.

Aktion: Virtuelle Rute gegen zu schlappe EU-CO2-Ausstoß-Grenzen für Neufahrzeuge

Dezember 9, 2007

Eine leicht polemische Abhandlung über die zukünftigen Entwicklungen des europäischen Automarktes mit Aufruf zur Aktion.

Am 19. Dezember will die EU eine neue Verordnung erlassen, die die Automobilindustrie dazu verpflichtet, in einigen Jahren nur noch Neuwagen mit begrenztem, absolutem CO2-Ausstoß pro gefahrenem Kilometer herzustellen. Dem eigenen Versprechen, den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2008 auf 140 Gramm pro Kilometer zu begrenzen, hat gerade die deutsche Automobilindustrie zuwider gehandelt (Hintergrundinfo zur Campact.de-Aktion). Deutsche RegierungsvertreterInnen fordern für die neue Kraftfahrzeugsteuer einen Grenzwert, der die Effizienz der Motoren mit berücksichtigt. D. h. der CO2-Ausstoß soll auf das Gewicht eines Fahrzeugs bezogen werden. Auch EU-Kommissar Verheugen unterstützt die innovationsfeindliche Lobbyarbeit der deutschen Automobilindustrie. Hörte man in der Politik auf die lobby-gesteuerten Vorschläge für CO2-Ausstoß-Grenzwerte, wären die Hersteller schwerer, deutscher Limousinen im Vorteil. Ihre Motoren zählen zu den effizientesten auf dem Markt.

Effizienz zu fördern klingt doch vernünftig, sollte man meinen. Nur ändert das überhaupt nichts am Gesamtausstoß von CO2, der wegen des hohen Gewichts der Fahrzeuge weit über dem Notwendigen liegt. Wenn man einmal darüber nachdenkt, scheint es ziemlich verrückt, dass man überhaupt mehr als eine Tonne Stahl und andere Materialien benötigen soll, um so ein Menschlein oder auch vier bis fünf durch die Gegend zu kutschieren.

Fazit: Mit ihrem hohen Gewicht belasten diese Fahrzeuge die Umwelt über die Maßen und natürlich auch die Geldbeutel der gutgläubigen Nutzer dieser Fahrzeuge. Greenpeace hat mit dem Smile-Prinzip schon vor mehr als 10 Jahren ein Konzept vorgestellt, wie man den Spritverbrauch von ganz normalen Serien-Fahrzeugen um 50 Prozent drücken kann. Es blieb nicht nur beim Konzept. Der Smile fährt noch nach über 10 Jahren, mit mehr als 70000 km auf dem Buckel und 170 km/h Spitze auf den Straßen herum und braucht tatsächlich halb so viel Sprit wie seine damalige Vorlage, der Renault Twingo. Damals kam auch der Lupo auf den Markt, der vom eigenen Hersteller extrem schlecht vermarktet wurde und überteuert bald wieder verschwand.

Außerdem: Wer einmal in einem Kleinwagen mit 90 PS gefahren ist, weiß, dass solch ein Fahrzeug wesentlich spritziger und sportlicher daherkommt als eine schwere Limousine mit beeindruckend erscheinenden 200 PS es vermag. Das Mehr an Pferdestärken ist nur notwendig, weil mehr träge Masse bewegt werden muss. In Teilen Baden-Württembergs, wo viele der schwerfälligen Karossen hergestellt werden, kennt man den Spruch „lieber klein und zackig als groß, dumm und dappig“. Deutsche Autobauer scheinen ihn nicht zu mögen. Deshalb haben einige von ihnen vor wenigen Tagen den Worst EU Lobbying Award 2007 verliehen bekommen. Ein Filmchen im Michael Moore Stil zeigt, wie die verschiedenen Preisträger auf die Glückwünsche reagieren.

Wie man in Kalifornien Sportautos mit viel Kreativität und ein bisschen Nachdenken mit alternativem Antrieb entwickelt, stellte Kerstin Kohlenberg im Zeit-Dossier Der Herausforderer im März 2007 vor. Wem es nicht unbedingt auf Sportlichkeit ankommt, sondern auf altmodischen Protz, lässt sich von weniger Gewicht natürlich nicht überzeugen. Aber viele Menschen, wahrscheinlich sogar die meisten, benötigen einfach nur ein wendiges, flexibel einsetzbares Transportmittel für sich und ihre Einkäufe, für Urlaubsfahrten und Ausflüge. Sie würden von halbierten Spritpreisen für ihre Fahrten sehr profitieren und dafür sicherlich gerne auf unnötiges Gewicht verzichten. Die meisten BürgerInnen dürften heute aufgeklärt genug sein, nicht mehr auf die Vermarktung des Autos als Statussymbol und „des Deutschen liebstes Kind“ hereinzufallen. Wer will sich schon von der Automobil-Lobby für dumm verkaufen lassen!

Zur Ruten-Aktion von Campact.de geht es durch Klick aufs Banner.


www.campact.de

Drohen Sie EU-Kommissar Verheugen mit der Rute! Unterzeichnen Sie den Appell für Klimaschutz im Straßenverkehr!

Übrigens: Wer beruflich auf ein Auto verzichten kann oder in einer Gegend wohnt, wo es ein sinnvolles Angebot für Öffentlichen Nahverkehr gibt, aber ab und zu doch ein Fahrzeug braucht, der muss nicht gleich ein Auto kaufen: Carsharing ist eine gute Alternative. Heutzutage gibt es schon in mittelgroßen und sogar in einigen Kleinstädten Angebote, sich mit anderen Anwohnern ein Auto zu teilen. Die Fahrzeuge sind in der Regel neuwertig, werden regelmäßig gewartet, sind versichert und man hat mit all dem nichts zu tun, man nutzt sie einfach nur gegen eine gut bezahlbare Nutzungsgebühr.

Kleinvieh macht auch Mist – Solar- statt Petroleumlampen und wie sieht eigentlich meine persönliche Klimabilanz aus?

Oktober 20, 2007

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das solarprojekt-freilassing. Der Verein entwickelt solarzellenbetriebene Lampen, die in Entwicklungsländern zum Einsatz kommen. Die Lampen werden als Bausätze geliefert und in den Anwendungsländern selbst zusammengebaut. Durch ein Mietsystem sind die Lampen auch von Menschen mit extrem knappem Haushaltsbudge einigermaßen bezahlbar. Vor allem kommen keine weiteren Kosten für Treibstoff dazu.

Laut DBU-Generalsekreter Dr. Fritz Brickwedde werden alleine in Afrika 50 Millionen Petroleumlampen als Lichtquellen eingesetzt. Petroleum ist relativ teuer, rußt bei der Verbrennung, was die Gesundheit langfristig beeinträchtigt, und produziert darüber hinaus klimaschädliches Kohlendioxid.

In einem Monat verbraucht eine Petroleumlampe rund 3 Liter Treibstoff, übers Jahr ergeben sich laut DBU daraus 80 kg Kohlendioxid. Das klingt vielleicht nicht so gewaltig, aber mulitpliziert mit 50 Millionen kommen 40 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr zustande. Weltweit haben etwa zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu Elektrizität.

Zur kompletten Pressemitteilung von Franz-Georg Elpers von der DBU zu diesem Thema

CO2-Rechner für die eigene Klimabilanz

Wer seinen eigenen Kohlendioxidausstoß drosseln möchte, der kann sich auf den Klimaschutz-Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) mit Tipps zum Stromsparen, zum optimalen Heizen, zum Spritsparen und Informationen über die Hintergründe zum Klimawandel eindecken. In Deutschland werden im Jahr etwa vier Milliarden Euro für Energieverschwendung (Standby-Schaltungen etc.) ausgegeben. Mehr zu diesem Thema bietet die vom UBA unterstützte Aktion No-Energy.

Um zu erfahren, wie weit man selbst über einem nachhaltigen Pro-Kopf-Kohlendioxid-Ausstoß von rund zwei Tonnen pro Jahr liegt, kann man den CO2-Rechner des UBAs nutzen. Hintergrundinformationen zum Rechner: Der deutsch Durchschnitts-CO2-Ausstoß liegt bei etwa 11 Tonnen pro Kopf pro Jahr, der Weltdurchschnitt bei 3,8 Tonnen.

Bundeskanzlerin Merkel unterstützt eine global gerechte Entwicklung der Klimapolitik – wie sie auf dem Nobelpreisträgertreffen Anfang Oktober in Potsdam erklärte – und erfüllt somit eine langjährige Forderung der Entwicklungsländer für einen pro-Kopf-Ansatz im Klimaschutz. Das bedeutet z.B. dass der deutsche CO2-Ausstoß auf 18 Prozent fallen muss, für die USA, die derzeit rund 20 Tonnen Kohlendioxid pro Kopf emittieren auf ein Zehntel dieses Wertes.

Das ist eine Wahnsinns-Herausforderung, vor allem für die Industrienationen, die sich bewegen müssen. So wird vielleicht verständlich, weshalb sich Forschung, Politik, Wirtschaft und Medien manchmal nur noch mit dem Klimawandel zu befassen scheinen.

Bleibt abschließend zu bemerken, dass neben Kohlendioxid noch andere Gase wie Methan und Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) klimawirksam sind. Weitere Informationen darüber gibt es in der Umweltdatenbank des UBAs.

Weltweite nachhaltige Entwicklung: ein nobler oder Nobel-Anlass – Global sustainability: a nobel cause

Oktober 8, 2007

Vom 9. bis 10. Oktober treffen sich Persönlichkeiten aus aller Welt in Potsdam zum ersten interdisziplinären Symposium für eine nachhaltige Entwicklung der Welt. Unter ihnen sind fünfzehn Nobelpreisträger. Die Teilnehmenden vertreten Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Zwei Tage lang wird intensiv über Klimastabilisierung, Energiesicherheit und nachhaltige Entwicklung referiert und diskutiert werden.

Alle Vorträge und Diskussionsforen werden aufgezeichnet und online gestellt werden. Konferenzsprache ist Englisch. Auf den Internetseiten stehen schon jetzt deutsche Zusammenfassungen der ausführlicheren englischen Hintergrundberichte zum Abruf bereit.

In einem Abschlussdokument sollen konkrete Maßnahmen festgeschrieben werden, wie die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft verhindert oder abgewendet werden können. Dieses Potsdam-Memorandum wird für den 13. Weltklimagipfel der Vereinten Nationen Ende des Jahres in Bali/Indonesien als eine der Diskussionsgrundlagen dienen. Auf den jährlich stattfindenden Klimakonferenzen werden Maßnahmen-Kataloge erstellt, die das Kyoto-Protokoll von 1997 ersetzten sollen. Die Vereinbarungen des Kyoto-Protokolls gelten noch bis 2012.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist Schirmherrin und Teilnehmerin des jetzigen Treffens. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und der World Wide Fund für Nature (WWF) richten die Veranstaltung aus mit Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Wasserstoff aus Wasser und Sonnenenergie

Oktober 2, 2007

Eine Forschergruppe des Max-Planck-Instituts für Bioanorganische Chemie in Mühlheim/Ruhr um den Chemiker Martin Demuth verwendete den Halbleiter Titansilicid erfolgreich als Katalysator, um mit Hilfe von Sonnenlicht Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten.

Der Halbleiter nutzt einen großen Bereich des Sonnenlichtes aus, was dazu beiträgt, dass der Wirkungsgrad, also die Effizienz, mit der die Reaktion abläuft vergleichsweise groß ist. Zudem ist das Material kostengünstig und leicht zugänglich. Als Katalysator beschleunigt

Titansilicid speichert die beiden Gase Wasserstoff und Sauerstoff und setzt sie unter unterschiedlichen Bedingungen wieder frei. Somit bietet das Material eine elegante Möglichkeit, die chemische Reaktion der beiden Gase, die explosionsartig verlaufen kann (Knallgasreaktion) zu verhindern und sie sauber und gefahrlos voneinander zu trennen.

Die Ergebnisse werden im Fachmagazin Angewandte Chemie 119/41, S. 7917-7921 auf Deutsch erscheinen (zugangsbeschränkt). Eine Zusammenfassung (1,69 Mb, pdf) über seine Forschungsprojekte gibt der Photochemiker auf den Institutsseiten auf Englisch.

Dr. Demuth hat mit seinen norwegischen Partnern zusammen eine Firma in Lörrach gegründet, um die patentierten Prozesse weiterzuentwicklen und zu vermarkten.

Quelle: Pressemitteilung von Dr. Beate Hoer der Gesellschaft Deutscher Chemiker auf dem Informationsdienst Wissenschaft

Ein weiterer Artikel über eine alternative Wasserstoffherstellung aus Wasser auf dem Infobildungsdienst-Blog.

Windkraft für alle

Oktober 2, 2007

Susanna Knotz (erstmals veröffentlicht am 28. März 2007 auf www.infobildungsdienst.de)

Kleine Fünf-Kilowatt-Windkraftanlagen könnten in Zukunft die Stromversorgung in abgelegenen, windreichen Regionen sichern. Die Kleinanlagen sind genauso kostengünstig wie Großanlagen. Die Anlagen können ohne großen Maschinenaufwand nur von Menschenhand aufgestellt werden. Die Gondel, die den Stromgenerator beherbergt, wiegt ohne Rotorblätter nur rund 110 Kilogramm. Die Windräder sind staub-, salz- und feuchtigkeitsgeschützt, wartungsarm und halten Windgeschwindigkeiten von Orkanstärke stand. Die Rotorblätter sind nämlich sehr flexibel, so dass sie vom Wind weggebogen werden und ihm somit weniger Angriffsfläche bieten. Außerdem hält das Material Temperaturen von -25 bis +50 °C aus.

Die Anlagen können alleine, im Verbund oder gekoppelt mit anderen Energiesystemen wie z.B. Dieselaggregaten oder Solarpaneelen arbeiten. Die Windräder können an alle möglichen Stromsysteme weltweit angepasst werden. Sie erzielen einen optimalen Wirkungsgrad unter unterschiedlichsten Bedingungen, d.h. sie liefern unter den herrschenden Bedingungen so gut wie immer optimale Leistung. Getestet wurde das System bisher an der schleswig-holsteinischen Küste mit steten, hohen Windgeschwindigkeiten und im Raum Kassel, einem Standort mit weniger Wind, der eher böig und turbulent bläst. An diesen beiden Orten haben sich die Kleinkraftwerke bewährt. Jetzt sollen sie noch ein Jahr lang an zwei weiteren deutschen Standorten, in Frankreich, Griechenland, Irland, Madagaskar und Spanien im Testbetrieb laufen. Die Erkenntnisse aus dem Probebetrieb werden in die Serienproduktion einfließen. Die Serie wird aeroSmart5 heißen und ab Mitte 2008 zu kaufen sein.

Vom BINE-Informationsdienst des Fachinformationszentrum (FIZ) Karlsruhe gibt es eine Broschüre (Autor: Dr. Franz Mayer) mit weiteren Informationen über das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt unter der Leitung der SMA Technologie AG aus Niestetal. Am Projekt beteiligt waren außerdem die microwind GmbH, Brühl, aerodyn Energiesysteme GmbH, Rendsburg, Institut für Elektrische Energietechnik Elektrische Energie-Versorgungs-Systeme (IEE-EVS) der Universität Kassel und das Institut für Solare Energieversorgunstechnik (ISET) e.V.; das Projekt stellt sich vor unter www.aerosmart.de.

McPlanet.com, Klima der Gerechtigkeit, TU Berlin 4.-6.5.2007

Oktober 2, 2007

Susanna Knotz (am 11.5.2007 erstmals veröffentlicht auf www.infobildungsdienst.de)

Die 3. McPlanet.com-Konferenz brachte Engagierte aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen. Globalisierungskritiker von attac organisierten zusammen mit Evangelischem Entwicklungsdienst, den Umweltschützern von BUND und Greenpeace, der Grünen-nahen Heinrich Böll Stiftung und in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie die dreitägige Konferenz mit kulturellem Beiprogramm in den Räumlichkeiten der TU-Berlin.
Etwa 250 ReferentenInnen aus der ganzen Welt informierten 3 Tage lang die 2000 TeilnehmerInnen aus ganz Deutschland über die globalen Auswirkungen, vor allem über die daraus resultierenden sozialen Ungerechtigkeiten des Klimawandels. Explizit riefen sie ihre Zuhörer dazu auf, die eigene Regierung dazu zu bewegen, den vielen schönen Worten der letzten Zeit Taten folgen zu lassen. Deutschland und Europa sollten mit gutem Beispiel vorangehen, da sich aufstrebende Nationen so gut wie immer an den Industrienationen orientierten und ihren Lebenswandel imitierten.

Meena Raman, Präsidentin der internationalen Umweltschutzorganisation Friends of the Earth, zu der auch der deutsche BUND gehört, Juristin und Menschenrechtsaktivistin aus Malaysia, fordert uns in den Industrienationen auf, unseren Lebensstil zu ändern. Es reiche nicht aus, neue Technologien zu entwickeln, damit Energie effizienter produziert und genutzt werden kann. Die WHO hat errechnet, dass seit 1970 rund 150.000 Menschen pro Jahr wegen des Klimawandels sterben. Andrew Simms von der „new economics foundation“ veranschaulichte sehr plakativ, dass man rund ein Dutzend Planeten bräuchte, um allen Bewohnern der Erde den Lebensstiel zu ermöglichen, den man in den Industrienationen pflegt. Prof. Carlo Jaeger vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und andere Referenten forderten, neue Technologien in weniger entwickelte Länder zu exportieren. Molly O’Meara Sheehan vom Worldwatch Institute in Washington DC und Spezialistin für Stadtentwicklung, stellte positive Beispiele aus den Metropolen Südamerikas, Afrikas und Asiens vor, wies aber trotz allem auf die gravierenden Probleme vor allem in Afrika und Südasien hin. Dort lebt derzeit rund ein Drittel der Bevölkerung in Slums. Die meisten Metropolen sind außerdem Küstenstädte, die langfristig von dem Meeresspiegelanstieg, der durch den Klimawandel verursacht wird, bedroht sind. Molly O’Meara Sheehan ist Mitautorin des gerade auch auf Deutsch erschienen „Berichts zur Lage der Welt 2007„.

Prof. Klaus Töpfer, früherer Umweltminister und Ex-UNEP-Exekutiv-Direktor in Nairobi, wies explizit darauf hin, dass man pragmatisch im Umgang mit fossilen Techniken umgehen müsse. Aufstrebende Länder wie China hätten Zugang zu viel billiger Kohle. Es wäre weltfremd anzunehmen, China würde auf diese fossilen Energieträger verzichten. Langfristig müsse zwar das Ziel sein, tatsächlich von CO2-intensiven Energieformen wegzukommen, aber für eine Übergangszeit müsse man auch in Technologien investieren, die wirtschaftlichere, d. h. effizientere Nutzung fossiler Brennstoffe ermögliche. Andere Referenten, wie z.B. der Kampagnen-Geschäftsführer von Greenpeace-Deutschland, Roland Hipp, hingegegen plädierten dafür, diese Übergangslösungen nicht überzubewerten und nicht dem Irrglauben zu verfallen, dass neue Technologien endgültige Lösungen sein könnten.

Die Idustrie muss Anreize von der Politik aber auch vom Konsumenten erhalten, ihre Gewinne umweltfreundlich zu maximieren, das forderte sinngemäß Arne Morgren, ein Vertreter des Energiekonzerns Vattenfall. Vattenfall baut gerade in Hamburg mit Unterstützung des Senats ein neues Steinkohlekraftwerk. Vattenfall und andere große Energiekonzerne wie BP, REW oder ENBW werben ausführlich mit ihrem Engagement für alternative Energien. Dieses Engagement bewegt sich allerdings in der Regel in einem einstelligen Prozentbereich des Gesamtenergiegeschäfts. Aber Verbraucher und Industrie sind sich darin einig, dass die Politik die Vorgaben verändern muss. Rebecca Harms, stellvertretende Fraktionschefin der deutschen Grünen im EU-Parlament, bestätigte die Vorreiterrolle, die Europa spielen müsse. Bisher bekämen die EU-PolitikerInnen für ihre Aussagen zum Schutz vor Klimawandel die Schulnote eins, jedoch für die tatsächlichen Aktivitäten eine 5, mangelhaft. Auf unterschiedlichen Foren wurde z.B. angeprangert, dass der Emissionshandel nicht funktionieren könne, wenn die Bundesregierung Emissionshandelszertifikate im Wert von Milliarden von Euro an die Industrie verschenkt, statt sie zu versteigern. In anderen europäischen Ländern werde ähnlich verfahren.

PolitikerInnen müssten mutiger werden und dürften sich nicht mehr von Lobbyisten kontrollieren lassen. Lobbyisten dürften nicht mehr an Gesetzen mitschreiben, die ihren eigenen Geschäftsbereich berührten. Es müsse offengelegt werden, wer Lobby für wen betreibe. Paul de Klerk von Friends of the Earth und Heidi Klein von Lobbycontrol stellten einige Negativ-Beispiele aus der Öl- und Energiewirtschaft dar. Politiker müssten mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, um die Keile, die die Umwelt-Diskussionen schon mitten in die Konzerne hineingetrieben hätten, weiter einzuschlagen. Aber auch mit der Industrie müsse man sich an einen Tisch setzen, um neue Strategien zusammen zu entwickeln, dazu riefen Klaus Milke von Germanwatch und Jörg Haas von der Heinrich-Böll-Stiftung auf. Karl Smid, Mitorganisator von Greenpeace, warnte hingegen vor zu engem Kontakt mit der Industrie und davor sich womöglich von leeren Versprechungen einlullen zu lassen.

Nach der Konferenz wies Daniel Unsöld vom BUND, einer der Hauptorganisatoren, einem friedlichen Demonstrationszug mit mehreren hundert Teilnehmern von der TU aus die Straße des 17. Juni hinunter and der Siegessäule vorbei zum Bundeskanzleramt den Weg, um dort eine 20 m lange Leinwand mit Unterschriften von BürgernInnen zu übergeben. Die Unterzeichner fordern die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und ihr Kabinett dazu auf, ihre hehren Worte zum Schutz des Klimas wirklich in die Tat umzusetzen und auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm nicht nur heiße Luft zu produzieren.

Am ersten Konferenztag wurden andernorts die Handlungsempfehlungen des IPCC (International Panel on Climate Change) veröffentlicht. In dem Report geben die beteiligten Wissenschaftler Hoffnung: Das Schlimmste kann noch verhindert werden. Aber es gibt Bedingungen dafür: im Jahre 2015 muss das Maximum des Energieverbrauchs erreicht sein, danach kann der Zeiger nur nach unten zeigen. Bis zur Mitte unseres Jahrhunderts muss der Energieverbrauch um 80% gesenkt werden. Und man muss Geld investieren, um in Zukunft nicht wegen des Klimawandels zu viel Geld zu verlieren, eine Aussage, die Regierungen, Gesellschaften und auch Wirtschaft und Industrie eigentlich alle verstehen müssten.

McPlanet: Videoaufzeichnungen der Panels und Foren bei der Berliner Greenpeace-Gruppe in Originallänge, Videobericht auf www.green.tv/de


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